KEIN KALKABBAU

IM NATURA 2000 GEBIET OBERES DONAUTAL

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Fauna-Flora-Habitate

Erst kürzlich berichtete die Schwäbische Zeitung über den 25. Geburtstag der europäischen Fauna-Flora-Habitat- Richtlinie. Diese Richtlinie stellt nach Umweltminister Untersteller das Rückgrat für den Naturschutz in Baden-Württemberg dar. Fast 12 % der Landesfläche sind inzwischen FFH-Gebiete. Zusammen mit den Vogelschutzgebieten bilden 17 % der Landesfläche das Europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000. Das alles klingt ja sehr gut, aber wie viel diese Schutzgebiete wirklich wert sind, zeigt sich im Natura 2000 Gebiet am Mittelberg bei Thiergarten im Oberen Donautal zwischen Sigmaringen und Beuron. Hier plant das Haus Prinz zu Fürstenberg zur Gewinnung Hochreiner Kalke über die nächsten 25 bis 30 Jahre einen halben Berg abzutragen. Jährlich sollen 200.000 t dieses Materials gewonnen und per LKW über die Donautal Straße (L277) abtransportiert werden. Viele Leser kennen das romantische Donautal zwischen Sigmaringen und Beuron und genau auf dieser Donautal Straße werden sich dann zum touristischen Verkehr noch täglich ca. 60 große LKWs dazugesellen. Enge Kurven, Felstunnel, Radfahrer, Motorradfahrer und dicke LKWs ……. Jeder kann sich vorstellen wie unser Donautal darunter leiden wird. Das Abbaugebiet befindet sich im FFH und Natura 2000 Gebiet und jeder wird sich fragen: wie kann ein solcher Eingriff überhaupt genehmigt werden. Der Regionalverband Bodensee-Oberschwaben weist dieses Gebiet seit Jahren als Sicherungsgebiet von Rohstoffen aus und kommt auch noch 2015 zum Ergebnis, dass ein Abbau nicht befürwortet werden kann. Im Herbst 2016 kam dann die „wundersame“ Umkehr und der gleiche Regionalverband weist den Mittelberg als Abbaustandort für hochreine Kalke aus. Ein Zielabweichungsverfahren liegt seit dieser Zeit im Regierungspräsidium Tübingen. Der Investor Prinz zu Fürstenberg hat sukzessive seine Hausaufgaben gemacht und Kompensationsmaßnahmen für den Eingriff in FFH Gebiete erarbeitet. So einfach können die angepriesenen Schutzgebiete ausgehebelt werden, wenn ein wirtschaftliches Interesse im Vordergrund steht. Auch unsere Landrätin hat leider bisher das zarte „Pflänzlein“ Tourismus wenig gepflegt und keine klare Stellung bezogen. Sind hier vielleicht schon zu viele Zusagen im Vorfeld gemacht worden? Auch unser grüner Umweltminister hält sich, bis jetzt, sehr bedeckt. Im Wahlbezirk Sigmaringen haben 2016 die Grünen das Direktmandat geholt. Wie lässt sich diese Zerstörung mit grüner Politik vereinbaren? Ein solches Vorhaben, in diesem sensiblen Tal, wäre ein Schlag ins Gesicht aller Naturfreunde und viele politischen Mandatsträger würden sich damit ins eigene Fleisch schneiden. Klaus-Peter Bürkle, Sigmaringen-Gutenstein


Kretschmann sorgt sich um Flora und Fauna.

Mit Freude und Hoffnung habe ich zur Kenntnis genommen, dass sich Ministerpräsident Winfried Kretschmann um Flora und Fauna im Ländle sorgt und ihm das Artensterben nicht gleichgültig ist. Er spricht von einem fundamentalen Menschheitsthema und davon, wenn wir die Lebensgrundlagen zerstören selbst irgendwann bedroht sind. Das klingt sehr gut und wir sollten alle daran mitarbeiten, das Artensterben aufzuhalten und die Flora und Fauna zu beschützen. Aus diesem Grund wurden in den letzten Jahren 12 Prozent der Landesfläche von Baden Württemberg zu FFH und weitere 5 Prozent zu Vogelschutzgebieten im Rahmen des europäischen Schutzgebietsnetz Natura-2000 ausgewiesen. Das sind Bausteine die helfen, das Artensterben zu verringern oder zumindest abzuschwächen. Es sollte alles daran gesetzt werden hier noch mehr zu tun und das Schutzgebietsnetz weiter auszubauen und nicht wieder zu reduzieren. Doch genau so eine Reduzierung soll jetzt in Angriff genommen werden. Direkt vor der Haustür von Herrn Kretschmann, in Beuron-Thiergarten im oberen Donautal; mitten im Natura-2000 Gebiet, soll ein halber Berg abgetragen werden um hochreine Kalke zu gewinnen. Das Zielabweichungssverfahren läuft momentan, das Ergebnis dieses Zielabweichungsverfahren wird am Mittwoch 22.06. offiziell in Beuron-Hausen i. Tal vorgestellt, man kann schlussfolgern, dass das RP das Zielabweichungsverfahren zulässt. Mit einem gesunden Menschenverstand kann man sich leicht vorstellen, dass ein Steinbruch weiteren Arten vertreiben wird. Die Pflanzen im Abbaugebiet werden vernichtet, Insekten, Schmetterlinge und Vögel werden vertrieben. Kann der wirtschaftliche Nutzen denn so viel größer sein als der Naturschutz? Und das in einem solch sensiblen Gebiet in dem die Natur bislang noch relativ intakt ist; wo Menschen aus den Ballungsgebieten gerne Urlaub machen und die Ruhe und unberührte Natur genießen. Herr Kretschmann, es handelt sich doch eigentlich um das zentrale Thema der Grünen. Der Schutz der Umwelt sowie das Wohl der Bürger sollten vor wirtschaftlichen Interessen stehen. Unter anderem auch deshalb haben in den letzten Jahren, speziell in unserer Region, so viele Wähler ihre Stimmen den Grünen gegeben. Aber nachdem nun Ihre oben beschriebene Rede im Landtag veröffentlicht wurde keimt eine neue Hoffnung auf. Bitte stehen Sie und Ihre Genossen zu den grundsätzlichen Werten Ihrer Partei; lassen Sie es nicht zu, dass durch wirtschaftliche Präferenzen diese intakte Natur hier im oberen Donautal zerstört wird. ----Wir sorgen uns mit Ihnen um die Flora und Fauna im Land.

Petra Fischer, Beuron-Thiergarten

Kretschmann sorgt sich um Flora und Fauna im Südwesten:
Artikel Schwäbische Zeitung, 21.06.2017


Wo bleibt der Mensch?

Bei der Veranstaltung des Regierungspräsidiums Tübingen wurde das geplante Vorhaben der Forstverwaltung Prinz zu Fürstenberg vorgestellt. Demnach sollen am Nordhang des Mittelberges bei Thiergarten jährlich rund 200.000 Tonnen hochreine Kalke abgebaut werden. Ein Abtransport des Materials über die umliegenden Bahnhöfe wird geprüft, erscheint aber eher unrealistisch. Alternativ müsste das Material über die engen und kurvenreichen Straßen Richtung Sigmaringen und Stetten a.k.M. abtransportiert werden.

Entsprechend den Angaben von 230 Arbeitstagen und einem LKW-Ladevolumen von 27 Tonnen errechnen sich rund 32 beladene LKWs, die täglich aus dem Donautal herausfahren. Analog dazu fährt täglich die gleiche Anzahl an leeren LKWs in Richtung Thiergarten. Somit sind Beeinträchtigungen wie Lärm, Staub und Verkehrsbehinderungen vorprogrammiert. Dies hat nicht nur in Thiergarten, sondern auch entlang der Transportwege negative Folgen auf Menschen, Tiere und Pflanzen.

Trotzdem hat das Regierungspräsidium Tübingen dem Zielabweichungsantrag der Forstverwaltung Prinz zu Fürstenberg zugestimmt. In der auf ihrer Internetseite veröffentlichten Stellungnahme hat die Behörde allerdings auch Vorbehalte insbesondere zum Naturschutz geäußert. Das Thema Naturschutz wird im weiteren Genehmigungsverfahren ebenfalls eine entscheidende Rolle spielen.

Naturschutz in allen Ehren, aber wo bleibt der Mensch? Für die am Mittelberg vorkommenden Tier- und Pflanzenarten sollen Ausgleichsflächen geschaffen werden, damit diese sich dort neu ansiedeln können. Die Menschen in Thiergarten und entlang der Transportwege haben dagegen keine Ausweichmöglichkeiten. Sie werden wohl eher die Beeinträchtigungen in Kauf nehmen (müssen) anstatt umzuziehen.

Entlang des Mittelberges verläuft ein internationaler Wildkorridor. Sollte der Kalkabbau kommen, werden sich die Wildtiere wohl neue Wege suchen. Menschen, die im Donautal vom Tourismus leben, haben dagegen keine oder kaum Alternativen für neue berufliche Wege. Vielmehr wird ihnen ein Stück der wirtschaftlichen Grundlage entzogen, weil das Donautal an Attraktivität verliert und mit einem Rückgang der Besucherzahlen zu rechnen ist.

Abschließend stellt sich die Frage, ob die wirtschaftlichen Ziele der Forstverwaltung Prinz zu Fürstenberg es wert sind, die Lebensqualität einer ganzen Region zu beeinträchtigen. Diese Fragestellung spielte im Zielabweichungsverfahren offensichtlich nur eine untergeordnete Rolle. Man darf gespannt sein, welchen Stellenwert dieser Punkt im weiteren Verfahrensverlauf hat.

Albert Böhler, Laiz

Schwäbische Zeitung, 7.7.2017